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Hoffnung für MZ - Motorenwerke Zschopau

26. August 2009

VON: JOCHEN VORFELDER

Aus Spiegel ONLINE

Emmely soll marode Motorenwerke Zschopau retten

Aus Zschopau berichtet Jochen Vorfelder

Die Bürgschaften fehlen, Geld auch - trotzdem sind sie wild entschlossen: Die Ex-Motorradfahrer Wimmer und Waldmann wollen die marode Ost-Motorradmarke MZ retten. Hoffnungsträger ist dabei ein Elektroroller namens Emmely.

Es sind die letzten Getreuen, die zur Pressekonferenz gekommen sind: Eine Handvoll einheimischer Nostalgiker mit ausgewaschenen MZ-T-Shirts und eine Trupp schwarz gekleideter Biker stehen Spalier auf dem Gelände der Motorenwerke Zschopau. Es ist heiß an diesem Tage Ende vergangener Woche. Sehr heiß. Die Hitze liegt wie eine dicke Rheumadecke über den riesigen Werkshallen. Dort drinnen regt sich nichts.

Nur auf dem Hof ist Betrieb: Sachsens Finanzminister Georg Unland von der CDU steigt aus seinem Dienstwagen, zieht seine Anzug-Jacke an, und strebt mit dynamischem Wahlkampf-Schritt auf Martin Wimmer zu: "Freut mich, Sie zu sehen, Herr Wimmer. Können wir anfangen?"

Wimmer kann. Er führt den Politiker zum Highlight des Tages, zu seinem Highlight: den Prototypen eines Elektrorollers mit Namen Emmely, grün-weiß lackiert in den Farben von MZ. Mit Emmely, in wenigen Tagen eiligst zusammengebaut aus einem chinesischen Massenprodukt und dem Batterie-Motor-Block des neuen Partners Clean Mobile, will Wimmer retten, was viele für unrettbar halten. Und Unland soll dabei helfen.

Unland soll für Geld sorgen

Denn der Finanzminister ist die letzte Hoffnung für den abgewirtschafteten sächsischen Motorradhersteller MZ. Denn er könnte dafür sorgen, dass Wimmer, der ehemalige Motorradrennfahrer, seine Frau Martina Häger und sein ehemaliger Rennkollege Ralf Waldmann das Geld bekommen, das sie so dringend brauchen. Denn sie haben im März 2009 zwar das Werk und die Marke MZ für angeblich vier Millionen Euro vom malaysischen Mischkonzern Hong Leong gekauft. Und sie haben ein vages, konventionelles Geschäftsmodell: 125er Viertakt-Maschinen und Roller sollen von 50 Mitarbeitern montiert, die Teile - wie in der Branche üblich - aus China bezogen werden.

Doch was in der strukturschwachen Region auf Begeisterung stößt, sorgt in der Branche und der Landespolitik für Skepsis: Auf dem 125er- und Rollermarkt tummeln sich unzählige Mitbewerber. Mindestens 70 Millionen Euro Verlust haben die Vorbesitzer aus Malaysia mit MZ gemacht. Schon 1996 gab es einen Konkurs, nachdem geschätzte 45 Millionen Mark Treuhand-Gelder, Landeszuschüsse und Fördersummen verbrannt worden waren. Kein Wunder also, dass Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) bisher erklärt, man wolle sich mit keinen weiteren Fördergelder am Kauf beteiligen, aber Anträge auf Zuschüsse bei Neuentwicklungen wohlwollend prüfen.

Bisher aber sind keine Anträge im Wirtschaftsministerium eingegangen, auch die Banken halten sich zurück bei der Kreditzusage. Deshalb fragt man sich: Womit soll die Entwicklung und Produktion vorfinanziert werden?

Denn die diesjährige Saison ist vorbei. Von den versprochenen 50 Arbeitsplätzen sind 23 besetzt, sie kümmern sich um Verwaltung und Ersatzteilversorgung. Bis die Kundschaft in 2010 wieder Mopeds und Roller kauft, stehen ein langer Herbst und ein harter Winter im Erzgebirge bevor. Das zeigt: Wimmer ist nach knapp vier Monaten mit seiner abenteuerlichen MZ-Fahrt wohl in einer Sackgasse gelandet. Ohne Kreditzusagen sind Anträge auf Landesförderung und staatliche Bürgschaft erfolglos, ohne Bürgschaft durch das Land sind die Taschen der Banken wie zugenäht.

Weg vom Stinkimage

Deshalb ist nach Wirtschaftsminister Jurk jetzt also Finanzminister Unland der Hoffnungsträger. Wimmer steht in der brütenden Sonne und erklärt dem Politiker, der jede Landesbürgschaft über 2,5 Millionen Euro persönlich abnicken muss, die strombetriebene Emmely.

"Wir müssen mit der Zeit gehen, sonst haben wir als MZ auf Dauer keine Chance", sagt Wimmer also. An den 125er-Modellen mit dem erprobten Verbrennungsmotor will man festhalten, aber ansonsten soll die Fertigung radikal umgestellt werden: "Elektrofahrzeuge für die urbane Mobilität, darin liegt auch unsere Zukunft."

Eigentlich ein guter Plan - vor allem weil er in Zeiten des Mobilitätswandels eine Perspektive bietet. Denn es ist wohl nur der radikale Schwenk weg vom alten, stinkigen Zweitakter-Image, der MZ vielleicht noch retten kann. Die Emmely werde in den nächsten Monaten weiter entwickelt und getestet, am Design werde noch gefeilt, holt Wimmer aus. Sie soll im Frühjahr 2010 in den Verkauf gehen, als Modell EL1 mit einer maximalen Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Die EL2 mit Mopedgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern soll wenig später kommen, ebenso ein "revolutionäres" Hybridfahrzeug mit 80 Sachen, dessen Lithiumbatterie während der Fahrt geladen wird.

Geliefert wird der Antrieb aus München vom neuen MZ-Kooperationspartner. Die Clean Mobile AG liefert bisher Batterien, Controller und Elektromotoren für Post-E-Bikes und den Brennstoffzellen-Antrieb für die Trikes der gelben Post. Ein seriöser Partner also für Wimmer, Höger und Waldmann: Man hat einen Kooperationsvertrag über zwei Jahre vereinbart. Clean Mobile liefert im Consumerbereich exklusiv an MZ, die Zschopauer verbauen in dieser Zeit bei der Montage vor Ort ausschließlich E-Aggregate aus München. Alle Beteiligten wären zufrieden - wäre da nicht das fehlende Geld. Denn finanziell beteiligen will sich auch Clean Mobile nicht.

Sachsen muss bürgen

Dabei braucht MZ mindestens fünf Millionen Euro - und das Geld muss von den Banken kommen. Aber Unland und das Land Sachsen müssten dafür 90 Prozent der Investitionen verbürgen.

Die Unterlagen, die das Land bei einem Bürgschaftsantrag in dieser Höhe erwartet, sind noch nicht fertig. Vielleicht noch zwei, drei Wochen, sagt Wimmer. Erst wenn sie im Ministerium entgegen genommen sind, machen sich Spezialisten von PricewaterhouseCoopers im Auftrag des Landes Sachsen an die Prüfung der MZ-Bücher und des Geschäftsmodells. Man wird mit der Bank reden und in den Betrieb kommen müssen. Eine Bewertung und Entscheidung braucht Zeit. Wochen, womöglich Monate. Martin Wimmer sagt: "Wir hoffen natürlich, dass es schnell geht, möglichst schnell, vielleicht noch vor den Wahlen."

Unland nickt wieder wohlwollend, seine Antwort aber ist bedächtig und vorsichtig: "Mir hat gefallen, was ich heute hier gesehen habe. Aber die Vergabe einer Bürgschaft, und dabei geht es ja um öffentliche Gelder, ist immer eine Sachentscheidung basierend auf den Fakten, und keine politische Entscheidung."

Martim Wimmer lächelt müde.

Auch Unland wirkt erschöpft. Die stehende Hitze hat ihm sichtlich zugesetzt. Er nimmt auf der neuen Emmely Platz. Fahren, nein, fahren will er mit dem Hoffnungsträger heute nicht mehr. Er hat heute noch zwei weitere Ortstermine; sein Auto wartet schon.

 




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